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Soll
man verlassene Vogeljunge aufpäppeln?
Ja - nur leider
sind die wenigsten Vogeljungen tatsächlich verlassen! Meistens
geraten kleine Vögel in die Obhut wohlmeinender Menschen,
die tatsächlich schon ausgeflogen sind und dann von den Eltern
weiterhin betreut und gefüttert werden.
Kümmern
wir uns deshalb zunächst um diese irrtümlicherweise
in Menschenobhut geratenen Unglücksvögel:
Bei den Vögeln
gibt es Nesthocker (Amseln, Rotkehlchen, Spatzen, Greifvögel,
Störche etc.) und Nestflüchter, zu denen z.B.
alle Arten Hühner- und Entenvögel gehören. Nestflüchter-Küken
geraten selten in menschliche Obhut, was u.a. daran liegt, dass
es alles Arten sind, die nicht im Hausgarten oder sonst in der
Nähe des Menschen brüten. Und dass kleine Entenküken
nicht verlassen sind, weiss eigentlich jedes Kind.
Nesthocker
aber sind häufige Findelkinder. Sie verleben die erste
Zeit ihres Lebens im Nest; bei unseren einheimischen Singvögeln
sind das etwa 2 Wochen. Danach fliegen sie aus, werden
aber weitere 2 Wochen von den Eltern betreut und gefüttert.
Das ist die Zeit, in der die meisten Vögel als "verlassen"
angesehen werden. Tatsächlich aber warten die Alttiere ängstlich
im Gebüsch darauf, dass die Menschen einfach nur abhauen.
Die Drossel
auf dem Bild oben ist ein sehr typisches Beispiel: Man erkennt
noch das Flaumgefieder auf dem Kopf und auch der ausgeprägte
Schnabelansatz weist dieses Tier als Jungvogel aus. Er
dürfte etwa 13 bis 15 Tage alt sein. Dieser Vogel sieht (noch)
sehr gesund aus, er hat einfach nur Angst und sollte dort gelassen
werden, wo er ist. Die Alttiere werden kommen und ihn füttern
und vor allem in eine sichere Deckung locken.
Wenn Sie solche
Jungvögel finden, sollten Sie sie in der Regel da lassen,
wo sie sind. Wenn Ihre Kinder solche Vögel nach Hause bringen,
dann bringen Sie sie am besten wieder da hin, wo die kleinen Vögel
vorher gesessen haben.
Es spielt
dabei keine Rolle, wenn Sie die Tiere schon angefasst
haben. Fast alle Vögel verfügen nur über einen
eingeschränkten Geruchssinn und stören sich überhaupt
nicht am menschlichen Geruch.
Wirklich
pflegebedürftige Vogeljunge:
Es gibt aber
tatsächlich Fälle, in denen kleine Vögel verlassen
sind. Besonders häufig passiert das bei Arten, die im hohen
Gras (z.B. unter grossen Grasbülten) brüten und
"ausgemäht" werden. Alle Arten von Grasmücken
z.B. sind gefährdet, auch Rotkehlchen und Zaunkönige.
Hier kann und sollte man versuchen, zu helfen:
Mit hohem
Gras ist nicht der ungemähte Rasen gemeint, sondern Wiesenraine,
hohes Gras am Rande von Gehölzen und unter Büschen oder
an Gewässern und feuchten Stellen. Ungepflegte oder aufgegebene
Kleingärten bieten solche Biotope. Wenn Pflegemassnahmen
ergriffen werden, dann meistens mit der Hand oder der (Motor-)Sense.
Solche Nester
werden dann eventuell "ausgemäht". Die Alttiere
nehmen die damit verbundene völlige Veränderung der
Umgebung sehr übel und werden die Brut meistens verlassen.
Dann stehen Sie da mit 4 - 6 kleinen oder kleinsten Vögeln!
Hier gibt es nur die Möglichkeit, die Tiere von Hand aufzuziehen.
Eigentlich
sind Sie verpflichtet, die Sache bei der Unteren Naturschutzbehörde
zu melden, die diese Tiere dann eigentlich in die Obhut
von anerkannten Pflegestationen geben soll. Die kleinen Vögel
sind aber natürlich längst tot, bis da mal was in Bewegung
kommt; Sie müssen wahrscheinlich zur Selbsthilfe greifen.
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